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Reisen im Innern von Nordamerica

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Handelsexpedition vom Missuri nach Mexico
im Sommer des Jahres 1824

Ein Reisebericht aus der Zeitschrift "Das Ausland."
Ein Tagblatt für Kunde des geistigen
und sittlichen Lebens der Völker.
München, J.G. Cotta´sche Buchhandlung,
Nummer 286, 13.Oktober 1829

Reisebericht von August Storrs;
mitgetheilt dem Senat der Vereinigten Staaten von Nordamerica am 3.Januar 1825


Die Expedition - bestehend aus 81 Mann, 156 Pferden und Maulthieren, 23 vierräderigen Wägen und einer Kanone - ging von Port Osage (39° 9` Br.) an der Westgränze des Missuristaates aus, wandte sich west-süd-westlich nach dem Arkansas, an dem sie 240 M. hinaufzog; von da 40 M. südlich an dem Semerone, folgte diesem 100 M. weit westlich, und erreichte endlich in südwestlicher Richtung Taos, die erste mexicanische Niederlassung.

In dieser ganzen Ausdehnung fanden sie offenes, flaches, bis an den Fuß der Felsengebirge leicht zugängliches Land. Zwischen dem Missuri und dem Arkansas ist das Erdreich weich, von dunkler Farbe und ausnehmend fruchtbar, südlich von dem Arkansas wird es dürr und sandig bis an die Gebirge. Gegen Norden sind die Ufer der Flüsse steil, die Betten tief, die Wasser größtentheils schlammig. Die Expedition hatte auf der einen Seite die großen und kleinen "blauen" Flüsse und den Kansas, auf der andern den Osage, den Neocès und den Berdegris mit ihren zahlreichen Zuflüssen, die sich oft so durchkreuzten, daß für die Wagen dadurch mancher Aufenthalt entstand. Man sah sich mehrere Mal genöthigt, mittelst Spaten und Karst die Ufer zu ebnen, und, um Grund zu bekommen, den Boden mit Stangen und Gesträuch zu belegen. Die Waldbäume sind hier die nämlichen wie in Missuri, eine Eschenart ausgenommen, die man längs den Flüssen antrifft. Es gab Thäler, wo das Gras höher wuchs als ein Mann zu Pferde; einen entzückendern Anblick, als die mit einem unendlichen Reichthum von Blumen geschmückten Wiesen im Monat Mai kann man sich nicht denken.

In der Nähe des Arkansas hatte die Expedition mehrere Sandhügel zu passiren, wo es nur langsam und mühsam vorwärts ging. Da diese Hügel durch den Wind entstanden sind, so stellen sie sich in sehr verschiedenen Formen dar; ihre mittlere Breite beträgt 7 M. Sie erstrecken sich jedoch auf dieser Seite des Flusses von dem Punkt, wo man sie gewöhnlich passirt, nicht über 25 M. weit, so daß man ihnen bei einer nördlichern Richtung leicht ausweichen könnte. Am Arkansas hin ist trockner und fester Boden; die Reisenden stießen bloß auf drei Nebenflüsse, deren sandige Betten sie nicht aufhielten. Die Baumwollenstaude (populus angulata), die da und dort kleine Wäldchen bildete, war der einzige Baum, dem sie begegneten. Als sie sich vom Arkansas entfernten, mußten sie abermals über Sandhügel, in der Breite von 10 M., hierauf kamen sie über eine hohe Ebene, die zum Semerone hinlief; am Semerone entlang reisten sie ohne Hinderniß bis zu einem Punkte, wo sie zum ersten Mal Felsen sahen. Hier setzten sie über und gelangten zu den Ufern des Canadian (Fourche Canadienne), die schon ganz aus schwärzlichen Felsen gebildet sind. Von diesem Fluß bis zu der großen Kette der Felsengebirge findet man ähnliche Sandhügel, wie am Arkansas, über die Ebene zerstreut, die man aber mit leichter Mühe umgeht. Das Gebirg hat hier eine Breite von 40 M., und wird von einem gebahnten Wege, der bloß an einzelnen Stellen steil ist, durchschnitten. Die Landschaft im Süden des Arkansas bis an den Fuß des Gebirgs ist trocken und sandig, und die periodischen Regen, die hier fallen, werden im Augenblick eingesogen.

Der Arkansas hat eine mittlere Breite von 150 Toisen; er ist ziemlich seicht und führt schlammiges Wasser, wie der Missuri, und einen feinen beweglichen Sand, so daß die Wagen ihn ohne Schwierigkeit passirten. Der Semerone, der noch auf keiner Karte angezeigt ist, entspringt in den Gebirgen westlich von Arkansas, läuft mehr als 400 M. parallel mit diesem Fluß und verliert sich, wie man glaubt, im Sande. Damals hatte er kein fließendes und nur wenig stehendes Wasser; man durfte aber nur 18 Zoll tief graben, um sich Wasser zu verschaffen. Auf dem Rückweg hingegen fand die Expedition einen starken Strom, und überall überschwemmte Ufer. Das Wasser des Semerone enthält salpeterhaltige oder salzige Bestandtheile. Dasselbe hohe Gras, das man auf den Wiesen am Missuri trifft, herrscht bis zum Arkansas vor, macht aber weiterhin dem sogenannten Bisonkraut (bison) Platz, welches reffliche fette Waiden liefert. In letzter Gegend fallen die Regen im Juli und August, um welche Zeit dann die Vegetation beginnt; und im September sind die höher gelegenen Ländereien mit dem reichsten Grün bedeckt. Was Subsistenzmittel betrifft, so besitzt keine Wüste der Welt deren in solchem Ueberfluß. Ueberall Bisons, Elenthiere und Antilopen; nur Damhirsche sind selten. Das Fleisch der erstern wird dem der Ochsen vorgezogen und das der Antilopen giebt dem Hammelfleisch, dem es in Geschmack und Aussehen verwandt ist, Nichts nach. Die Expedition hatte täglich frisches Fleisch.

Von den Eingebornen des Landes haben bloß die Osagen, Kansas und Panis feste Wohnsitze, die übrigen sind Nomaden, wissen vom Ackerbau Nichts, und leben hauptsächlich von der Bisonjagd. Eine auffallende, durch die Erfahrung bestätigte Thatsache ist es, daß dieses Thier aus den Gegenden, wo sich Weiße ansiedeln, sich entfernt, und nach denen der Indianer zurückzieht. Die Eingebornen stehen nicht im besten Vernehmen mit den Americanern. Im J. 1818 griffen 300 Panis die Handelsniederlassung eines Hrn. Chouteaux auf einer Insel des Arkansas an: wurden aber mit einem Verlust von 30 Mann zurückgeschlagen. Damals bedienten sich diese Indianer das erste Mal europäischer Waffen, und es war dieß nach ihrer Versicherung das mörderischeste Gefecht, das sie je bestanden. Im J. 1822 ermordeten die Camanchen in der Nähe des Gebirgs einen gewissen Marwell und vewundeten einen andern Jäger. Im folgenden Jahr tödteten sie an den Ufern des Arkansas einen Spanier und raubten ihm 15 Maulthiere; in demselben Jahr überfielen sie 15 M. von diesem Fluß eine Handelskarawane, erschlugen einen Mann und führten vierzig Pferde mit sich fort; auch im Süden des Arkansas wurde ein Americaner, Namens John Mac-Right, von den Indianern erschlagen.

Die Kaufmannsgüter, welche in die Provinzen des Innern aus den Vereinigten Staaten ausgeführt werden, sind Seiden- und Baumwollenzeuge, seidene Shawls, Messerschmid- und Glaswaaren, wofür die Nordamericaner spanische Piaster, Gold- und Silberbaaren, Maulthiere und Castorpelze zurückbringen. Die Stadt Santa-Fé liegt 250 M. vom Arkansas, 510 M. von dem nächsten Zufluß des Kansas und 70 von dem Zuflusse des Rio Roro, der einen Grad nördlich von dieser Stadt seine Quelle hat. Eine Wasserverbindung mit dem Binnenland existirt nicht; der Rio del Norte zwar trägt Fahrzeuge von 20 Tonnen bis auf eine kleine Entfernung oberhalb Santa Fé; dann aber unterbrechen ihn Sandbänke; und der Rio Colorado von Californien, der einen Lauf von 800 M. zurücklegt, ist durch die Gebirge von den Niederlassungen getrennt. Man glaubt indeß, daß der Arkansas mehrere Monate des Jahres weit hinauf schiffbar wäre; allein die Schifffahrt gilt für sehr unsicher. Die für das Binnenland bestimmten Artikel werden daher auf Maulthieren mit einer Bedeckung von Bewaffneten über Vera Cruz nach der Stadt Mexico und von da weiter ins Innere verschickt.




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